Ausgabe 01 · Noch ein Blick
Die Straße nach dem Regen

Ein Ort. Eine zweite Oberfläche.
Der Laden ist noch derselbe. Im Wasser steht er plötzlich kopf.
Nach dem Regen rückt eine zweite Straße in die erste. Die Hauskante liegt auf dem Asphalt, ein helles Fenster unter dem Bordstein. Dann fährt ein Rad durch die Pfütze und die Ordnung ist wieder weg.
Beim Fotografieren nach Regen musst du dafür nicht nach einer großen Wasserfläche suchen. Eine dunkle Unebenheit im Boden kann reichen. Entscheidend ist, welche helle oder farbige Fläche sich darin wiederholt und aus welchem Winkel du sie siehst.
Erst den Ort, dann das Wasser
Die weite Ansicht lässt noch erkennen, wo die Spiegelung hingehört. Der engere Ausschnitt nimmt diesen Halt weg. Ein heller Fleck könnte jetzt ein Fenster sein oder einfach Licht auf nassem Boden. Beide Bilder verwenden dasselbe Motiv, stellen aber andere Fragen.
Bevor du tief heruntergehst, schau kurz auf den Untergrund und den Verkehr. Eine sichere Stelle am Rand oder ein Blick aus einem geschützten Eingang ist oft die bessere Ausgangslage. Halte die Kamera trocken; eine allgemeine Zusage, dass Regen ihr nichts ausmacht, gibt es nicht.
Ein kleiner Ablauf für draußen
Wähle eine Spiegelung und mach zunächst ein Bild, in dem ihre Umgebung sichtbar bleibt. Verändere dann die Höhe oder den seitlichen Winkel. Warte zuletzt kurz, ob ein Tropfen, ein Fuß oder eine Luftbewegung die Fläche verändert.
Vergleiche die Ergebnisse nicht allein nach möglichst klarer Spiegelung. Manchmal trägt gerade die Unterbrechung das Bild. Ein Rest von Asphalt verhindert, dass aus der Pfütze nur ein sauberer optischer Trick wird.
Zum Ende darf die nasse Stelle kleiner werden. Das letzte Bild braucht keine Pointe. Es kann einfach zeigen, wie wenig von dieser zweiten Straße übrig bleibt.
Bildfolge / Noch ein Blick




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