Über den Bildrand und das Loslassen

Hasselblad 500 C/M mit offenem Lichtschacht auf einer Werkbank.

Fünf Fragen an Markus Eder.

Ein kurzes Gespräch kann an einem einzigen Bild hängen. Wir haben den Frankfurter Porträt- und Dokumentarfotografen Markus Eder in seiner Werkstatt in Sachsenhausen besucht. Zwischen Holzspänen, Negativhüllen und seiner vertrauten Hasselblad 500 C/M sprachen wir über das Zögern vor dem Auslöser, mutige Schnitte und den Wert von Papier.

1. Welches Bild hättest du fast gelöscht?

Markus Eder: „Ein Porträt eines alten Schreinermeisters in Bornheim. Im Moment des Auslösens bewegte er die Hand an den Bildrand, und die Schulter war halb abgeschnitten. Am Leuchttisch dachte ich zuerst: Ausschuss, Bildaufbau verfehlt. Aber je länger ich den Abzug ansah, desto klarer wurde: Genau dieser Anschnitt gab dem Bild seine Dringlichkeit. Es wirkte nicht mehr wie ein gestelltes Handwerkerporträt, sondern wie ein echter, unvollendeter Augenblick.“

2. Woran merkst du, dass eine Serie fertig ist?

Markus Eder: „Wenn jedes weitere Bild nur noch wiederholt, was die anderen schon gesagt haben. Eine Serie ist für mich nicht fertig, wenn alles lückenlos dokumentiert ist, sondern wenn die Auslassungen genauso stimmig sind wie das, was im Kasten ist. Meistens werfe ich am Ende noch zwei Bilder raus, die ich eigentlich sehr mochte.“

3. Was druckst du lieber, als es auf dem Bildschirm zu lassen?

Markus Eder: „Porträts mit leisen Tonwerten. Ein Bildschirm strahlt Licht von hinten ab, er übertreibt Kontraste und schmeichelt der schnellen Schärfe. Ein matter Barytabzug zwingt zur Ruhe. Auf Papier siehst du sofort, ob ein Schatten Zeichnung hat oder einfach nur tot ist. Papier verzeiht keine Nachlässigkeit.“

4. Welcher Ort wird auf deinen Bildern immer wieder anders?

Markus Eder: „Das Mainufer zwischen dem Gerbermühl-Wehr und Offenbach bei Morgennebel. Wenn die Stadtsilhouette verschwindet, bleiben nur Wasser, Weiden und vereinzelte Ruderer. An manchen Tagen wirkt der Fluss wie eine japanische Tuschezeichnung, an anderen wie ein rauer Industriekanal.“

5. Welche Entscheidung würdest du heute zurücknehmen?

Markus Eder: „In meinen Zwanzigern habe ich viel zu viel Geld für neue Objektive und Gehäuse ausgegeben in der Hoffnung, dass sie meinen Blick schärfen. Das war verlorene Zeit. Seit zehn Jahren mache ich neunzig Prozent meiner Porträts mit derselben 80mm-Brennweite an der Hasselblad. Die Beschränkung hat mir mehr Freiheit gegeben als jeder Objektivpark.“

Markus Eder (geb. 1979 in Nürnberg) arbeitet als freier Porträt- und Dokumentarfotograf in Frankfurt am Main.


Kennst du eine Fotografin oder einen Fotografen, mit dem wir fünf Fragen besprechen sollten? Schreib uns an hallo@version-foto.de.

Bildfolge / Noch ein Blick

Älterer erwachsener Mann mit Hand auf einem Arbeitstisch; rechts ein leerer Stuhl.
01 / Die Hand, der Tisch und der leere Stuhl.Bildredaktion: Markus Eder
Hand auf der Kante einer abgenutzten Werkbank.
Detail / Die Geste aus derselben Ausgangsaufnahme.Bildredaktion: Markus Eder
Zwei kleine Papierabzüge der nassen Straßenszene auf einem Tisch.
01 / Dasselbe Motiv zweimal auf dem Tisch. Papierstudie.Bildredaktion: Clara Lindemann
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Die Bildnummern bleiben innerhalb der Folge erhalten. Vergleichsfassungen mit einem engeren Rand verwenden dieselbe Ausgangsdatei. Wo eine andere Beleuchtung oder Ausarbeitung gezeigt wird, benennt die Bildunterschrift diese Änderung.

Ein Ausschnitt ist eine andere Entscheidung über den Rand. Er ist keine Messung einer anderen Brennweite. Alle Bildnachweise

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